Was wir lernen, wenn wir zwischen den Zeilen lesen…
Aus Greenland: The Last Generation on Ice © Sebastian Copeland
Sonntag – Kulturtag: Wenn das Bauchgefühl sich meldet und der Kopf Grübelarbeit leistet, wie man sich entscheiden soll. Genau dieses Spannungsfeld begleitete mich diese Woche. Es ist, als lese man zwischen den Zeilen oder höre die unausgesprochenen Worte in einer Sprechpause. Die zentrale Frage lautet nicht nur: «Wie nehme ich etwas wahr und wie treffe ich eine Entscheidung?», sondern auch: «Wie nehme ich die Gegenseite wahr?»
Eine Entscheidung für ein undefiniertes Bauchgefühl birgt immer das Risiko, eine andere, ebenso spannende Zusammenarbeit zu verpassen. Früher wurden solche Weichenstellungen von anderen vorgenommen, und man musste mit den Konsequenzen leben. Heute liegt die Verantwortung bei mir: Ich darf – und muss – entscheiden und damit die Richtung meines Weges selbst bestimmen.
Dieser Prozess führt mich zum heutigen Kulturtipp: Auch Sebastian Copeland muss jeden Schritt aufs Neue bewerten. Bei ihm hat ein Fehltritt jedoch gravierende, oft tödliche Folgen.
In der Ausstellung «Greenland: The Last Generation on Ice» im Haus der Fotografie in Olten wird diese immersive Reise gezeigt. Copeland, einst Modefotograf auf der Madison Avenue, hat seine Karriere radikal neu ausgerichtet. Seine 27 Polarexpeditionen mit über 12'000 Ski-Kilometern – darunter eine Antarktis-Durchquerung – sind akribische Studien einer archaischen Natur. Bei minus 60 Grad, konfrontiert mit Gletscherspalten und Eisbären, riskiert er sich selbst, um Momente festzuhalten, die wenigen vergönnt sind.
Die Stärke seiner Arbeit liegt darin, die Distanz zwischen der schmelzenden Eiswelt und unserer Wahrnehmung zu überwinden. Seine Bilder der grönländischen Arktis und der Inuit sind ein Appell: «Den Menschen zu helfen, sich in diese Welt zu verlieben, ist ein Katalysator für den Wunsch, sie zu schützen», so der Gründer der Sedna Foundation. Die Ausstellung bietet keine passive Betrachtung, sondern eine emotionale Konfrontation mit der Klimakrise. Sie erinnert daran, dass das Eis eine endliche Ressource ist.
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Juli 2026 im Haus der Fotografie in Olten zu besuchen.
Dank der Kooperation mit sichtbar.art darf ich Eintritte vergeben. Schreib gerne an info@sichtbar.art.