Zahlen fixieren, Kunst bewegt…

Entkleiden, Auge der Liebe, 1952 © René Groebli, Courtesy of Bildhalle

Sonntag – Kulturtag: Seit wenigen Tagen ist das neue Gesamttarifsystem (TARDOC und ambulante Pauschalen) in Kraft. Die meisten haben ihre Leistungen von TARMED in TARDOC übersetzt und haben damit gestartet oder starten am Montag. Dann gibt es all jene, die stark von ambulanten Pauschalen betroffen sind und noch nicht genau wissen wie dies umgesetzt wird…

Ambulante Pauschalen sind eine Kombination von ICD-10-Codes (Diagnosen) und LKAAT-Positionen (Prozeduren, Therapien). Zusammen führen sie in Pauschalen. Der grösste Knackpunkt: Welche Kombination führt in welche Pauschale und sind die Kosten für die Arbeit und das Material gedeckt…

Es ist ein Gesamttarifsystem, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Was man nicht muss, aber was ich immer wieder gerne mache Werke von Fotografinnen und Fotografen entdecken. Deshalb ist mein heutiger Kulturtipp ein Besuch der Ausstellung Movement von René Groebli in der Bildhalle in Zürich.

Die Ausstellung führt durch die jahrzehntelange, bewegte Karriere des Schweizer Fotografen René Groebli – einem Künstler, der nie stillstand und immer wieder Neues wagte, ohne sich auf einen bestimmten Stil oder eine Technik festzulegen.

Groeblis Gesamtwerk ist so facettenreich, dass es nicht in einzelnen, ikonischen Bildern gelesen werden kann. Es umfasst dynamische Strassenfotografien voller Bewegungsunschärfe, Experimente in Farbe, Montagetechniken sowie intime Studien über Leben, Liebe und Körperlichkeit in Schwarzweiss. Ein klar erkennbarer, unstillbarer Durst nach neuen Ausdrucksformen zieht sich durch sein ganzes Œuvre. Schon eine seiner ersten Aufnahmen – freihändig vom Fahrrad aus über den Lenker hinweg fotografiert – zeugt von dieser frühen Faszination für Geschwindigkeit und steht symbolisch für eine Karriere, die formalen Normen stets einen Schritt vorauseilt.

Groebli arbeitet lyrisch und intuitiv. Eine Ausbildung bei Hans Finsler, dessen Schule in der kühlen, statischen "Neuen Sachlichkeit" verwurzelt ist, brach er bald ab, um der Lebendigkeit der Strassen, Clubs und Bühnen Zürichs zu folgen. Wie ein Filmemacher macht er das Wesen der Bewegung in statischen Bildern sichtbar. Er verzichtet dabei auf perfekte Schärfe, lässt den Zufall bewusst zu und fängt so nicht nur Dynamik, sondern tiefe Emotionen ein. Diese cineastische Sensibilität stand im krassen Gegensatz zur damals vorherrschenden Strenge der Schweizer Nachkriegsfotografie.

Die Ausstellung lädt dazu ein, Groeblis Fotografie als zentrifugale Kraft zu erfahren, die Bewegung in all ihren Formen einfängt – physisch, emotional und künstlerisch. Sie offenbart einen Künstler, für den die Fotografie ein lebendiges Medium in ständigem Wandel war: bewegt und bewegend.

Die Ausstellung kann noch bis 28. Februar 2026 in der Bildhalle besucht werden.

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Rituale statt Strategien: Die Kunst des Hinsehens…