Rituale statt Strategien: Die Kunst des Hinsehens…
Eine Krankenschwester hört den Herzschlag eines Fötus. Nquta, Zululand, 1973. © Eve Arnold/Magnum Photos
Sonntag – Kulturtag: Plötzlich ist alles anders. Das Gedankenkarussell dreht sich und man fragt sich, ob es nicht eine Strategie gibt, das Ganze zu stoppen. Ein geplanter Anruf – der eigentliche Abschluss eines langen Coaching-Prozesses – zeigt, dass es keine weitere Strategie braucht, sondern Rituale, die helfen, sich wieder zu zentrieren und die innere Klarheit wieder zu spüren.
Die Coaching-Module bei Christina Weigl haben mich durchgeschüttelt, mich gezwungen, mich mit mir auseinanderzusetzen, und haben mir innere Klarheit geschenkt und das Wissen, dass ich nicht alles annehmen muss.
Es geht nicht mehr um Strategien, sondern um das bewusste Wahrnehmen. Diese Haltung des genauen Hinsehens verkörpert für mich kaum jemand so sehr wie Eve Arnold.
Mein heutiger Kulturtipp gilt dieser Frau, deren Karriere erst spät begonnen hat, die aber als eine der ersten Fotografinnen in die renommierte Agentur MAGNUM-Photos aufgenommen wurde. Eve Arnold war eine humanistische Fotojournalistin durch und durch. Im Zentrum ihrer Arbeit stand immer der Mensch.
Von der pulsierenden afroamerikanischen Modeszene Harlems bis hin zu Marilyn Monroes Momenten der Verletzlichkeit, von politischen Leitfiguren bis hin zu Wanderarbeitenden – mit Mut und Sensibilität suchte sie nach der Wirklichkeit hinter der Oberfläche. Dabei machte sie keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, berühmt oder alltäglich: Vor ihrer Linse waren alle gleich.
Ihre erste Reportage realisierte sie im Amerika der 1950er-Jahre über Fashion-Shows in Harlem. Statt Models im Studio zu inszenieren, konzentrierte sie sich auf das Geschehen abseits der Bühne – ein revolutionärer Ansatz, der ihr den Weg zu MAGNUM ebnete. Ihre Arbeiten über Malcolm X und die Black Muslims wurden weltweit bekannt, bevor sie 1962 nach London umsiedelte.
Neben gesellschaftspolitischen Themen fotografierte sie über 50 Jahre lang Filmstars wie Marlene Dietrich oder Orson Welles. Besonders legendär ist ihre über 10-jährige Begleitung von Marilyn Monroe. Durch Arnolds zurückhaltende Art entstanden die wohl offensten und persönlichsten Bilder, die uns einen fast privaten Blick auf eines der bekanntesten Gesichter des 20. Jahrhunderts erlauben.
Die aktuelle Ausstellung «Eve Arnold. Capturing Compassion» umfasst rund 140 Arbeiten. Ihre Aufnahmen, geprägt von tiefer Zuneigung zu ihren Sujets und präziser Komposition, haben bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüsst.
Die Ausstellung kann bis 1. März im f³ – freiraum für fotografie in Berlin besucht werden kann.