Ordnung im Unsortierten…

© Sandro Livio Straube

Sonntag – Kulturtag: Seit dem 1. Januar 2026 gilt das neue Gesamttarifsystem für Einzelleistungen und ambulante Pauschalen. Doch noch immer werfen viele Aspekte Fragezeichen auf, und zahlreiche Spitäler tun sich schwer, die neuen Regeln korrekt anzuwenden. Bisher konnten erst wenige Institutionen ambulante Leistungen problemlos fakturieren. Die Folge: Die Liquidität wird knapp, und das benötigte Fremdkapital ist teuer.

Vor zwei Wochen las ich einen Beitrag von Hugo Kenue, in dem er beschreibt, dass sich die Spitäler im Blindflug befänden. Kaum jemand wirklich durchblicke, welche Leistungen in welchen Pauschalen enthalten sind oder wie Kombinationen korrekt abgerechnet werden können. Er thematisiert auch den möglichen «Hammer» der Preissenkung im Zusammenhang mit der sogenannten Kostenneutralität. Sein Fazit: Die TARDOC-Umstellung sei unnötig, schlecht vorbereitet und eine politische Zwängerei.

Früher hätte ich es nicht gewagt, Hugo zu widersprechen – heute tue ich es. Wer sich mit den ambulanten Pauschalen auseinandersetzt, erkennt, mit welchen Kombinationen man in welche Pauschale gelangt, und findet dabei auch den einen oder anderen Fehler im System. Diese Herausforderung kannten wir bereits bei der Einführung von SwissDRG, TARPSY und ST Reha. Deshalb: Setzt euch mit den Tarifen auseinander und arbeitet mit Expertinnen und Experten zusammen. Das Verständnis für die Systematik der ambulanten Pauschalen wächst, und damit steigt auch die Möglichkeit, Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren.

Diese Erkenntnis – dass sich Sinn oft erst erschliesst, wenn man aufhört, Systeme in starre Schubladen zu zwängen – führt mich zum heutigen Kulturtipp. Während wir im Gesundheitswesen versuchen, das scheinbare Chaos der neuen Tarife zu ordnen, zeigt die Ausstellung Unsortiert von Sandro Livio Straube, welch kraftvoller Dialog entstehen kann, wenn man genau diese Ordnung bewusst aufhebt.

Fotografie wird oft als das Medium der Fixierung verstanden – ein Werkzeug, um den flüchtigen Augenblick einzufangen und für die Ewigkeit zu bewahren. Doch was geschieht, wenn das Bild nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt begriffen wird? In der Ausstellung «Unsortiert» präsentiert Sandro Livio Straube eine bestechend einfache Antwort: Das Archiv ist kein statischer Speicher, sondern ein lebendiges visuelles Universum. Über siebzehn Jahre hinweg hat der Fotograf Bilder gesammelt, die nun bewusst ohne chronologische Zwänge oder thematische Schubladen miteinander in Dialog treten.

Die Ausstellung Unsortiert. Ein offenes Archiv, 2009-2026 von Sandro Livio Straube wird am 7. Mai 2026 eröffnet und ist bis zum 27. Juni 2026 in der Galerie 94 zu besuchen.

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Von Pauschalen zu Perspektiven…

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