Rollenwechsel als Prinzip: Empathie durch die Linse…
Tänzerin, Cihangir, Istanbul, 1992 © Christa Mayer, VG Bild-Kunst Bonn, 2025
Sonntag – Kulturtag: Wenn sich unerwartet die Rollen vertauschen und man plötzlich Aufgaben übernehmen muss, die andere erledigt haben, dann wird ein Vorausschauen schwer und man erinnert sich lieber daran wie es war…
Welcher Blick ist einfacher, wenn man den Moment kaum aushält? Zurück in die Erinnerung oder doch vorwärts in die Zukunft?
Doch genau dieser Rollenwechsel – weg vom gewohnten Handeln, hin zu einer neuen, vielleicht unfreiwilligen Beobachterrolle – schafft auch eine neue Perspektive. Man sieht die Dinge plötzlich anders, weil man sie anders sehen muss.
Diesen geschärften Blick für das, was unter der Oberfläche liegt, findet man aktuell auch in der Ausstellung von Christa Mayer. In ihrem Werk wird der Rollentausch zum Prinzip: Als Psychologin und Fotografin wechselt sie ständig die Position zwischen Analyse und Empathie...
In der Geschichte der Fotografie gibt es Positionen, die sich nicht allein über ihre Ästhetik definieren, sondern über die Tiefe der menschlichen Begegnung, die sie ermöglichen. Das Werk von Christa Mayer ist ein solches Zeugnis eines "berührenden Sehens". Als Fotografin und Psychologin zugleich hat sie über vier Jahrzehnte hinweg ein Œuvre geschaffen, das die Kamera nicht als Barriere, sondern als Instrument der Empathie nutzt, um das Unbewusste der Innenwelten sichtbar zu machen.
Bereits seit den frühen 1980er-Jahren formte Mayer ihre progressive künstlerische Handschrift in der legendären Werkstatt für Photographie an der Volkshochschule Kreuzberg in Berlin. Diese von Michael Schmidt gegründete Institution bot ihr den Raum, sich als eine der wenigen Frauen erfolgreich zu behaupten. Es war diese Zeit des Aufbruchs und der künstlerischen Selbstbehauptung, in der sie 1983 mit dem Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ausgezeichnet wurde…
Die Ausstellung "Christa Mayer. Fotografie – Das Werk" kann vom 16. Januar bis zum 6. April 2026 im Haus am Kleistpark in Berlin besucht werden.