Stille und Resonanz: Die Kunst des Loslassens…

Japan, 2025, aus der Serie Requiem pour pianos #163 © Romain Thiery

Sonntag – Kulturtag: Diese Woche hatte ich einige Gespräche zum neuen Gesamttarifsystem. Wir haben es alle gelesen und zum Teil auch selbst festgestellt: Das System hat Fehler, es bildet die Realität suboptimal ab und birgt das Risiko, dass der Fokus auf Behandlungsqualität und vor allem auf die Patientinnen und Patienten verloren geht. 

Es gibt aber Möglichkeiten dies zu ändern: Man kann sich mit den Tarifen auseinandersetzen und sich am Antragsverfahren beteiligen. Das ist im ambulanten Bereich neu und fordert ein Umdenken. Man muss sich von einem alten System verabschieden – so schwer es einem auch fällt. 

Dieses Vergangene bringt mich zum heutigen Kulturtipp: Das Projekt Requiem pour pianos von Raomain Thiery. 

In dieser Serie setzt sich Thiery mit verlassenen Klavieren auf der ganzen Welt und den Grenzen von Fotografie, Klang und kollektivem Gedächtnis auseinander. Die Fotografien ermöglichen einen Einblick in vergangene Epochen, in denen die Musik noch erklang. Für ihn ist das Klavier tief in unserer Kultur verwurzelt und bewahrt sich eine unveränderliche Noblesse. 

Sein einzigartiger Ansatz besteht darin, diese Klaviere nicht nur in ihrem verfallenen Zustand zu fotografieren, sondern auch alle Töne, die sie noch erzeugen können, Note für Note vor Ort aufzunehmen. Dieser immersive Ansatz ermöglicht es ihm, die musikalische Seele jedes Klaviers zu bewahren und seinen visuellen Werken mit seinem Projekt „Resonance for Pianos” eine klangliche Dimension hinzuzufügen. 

Die Ausstellung kann noch bis am 6. Juni 2026 in der Scène55 in Mougins besucht werden. 

In einer sehr abgelegenen ländlichen Gegend entdeckte Romain eine alte, verlassene Grundschule. Das Licht fiel durch die großen Fenster und beleuchtete eine fast unwirkliche Szene: ein Kawai-Klavier, eingefroren in der Zeit, langsam von einem Meer aus Farnen verschlungen. Um diesen Ort zu erreichen, musste er tief in den Wald vordringen, wo er mehreren neugierigen Affen begegnete. Die Atmosphäre vor Ort war magisch, als hätte sich die Natur den Ort angeeignet, um ihre eigene Melodie zu komponieren. 

In Japan nimmt das Klavier einen besonderen Platz ein. Als Symbol für Bildung und Kultiviertheit ist es in vielen Familien präsent und spielt eine wesentliche Rolle in der schulischen Ausbildung.

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Vom bürokratischen Alltag zur visuellen Poesie…

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