Taxpunktobergrenzen und die Illusionen des Wohlstands

«Beat Jost – Schöne neue Welt» © Beat Jost

Sonntag – Kulturtag: Seit diesem Jahr werden ärztliche Leistungen mit dem neuen Gesamttarif (TARDOC und ambulante Pauschalen) vergütet. Eigentlich ist es ein neues System, die alten Herausforderungen und Probleme sind geblieben. Und die Frage, ob die Leistungen sachgerecht abgebildet werden, steht nach wie vor im Raum. Das alte Narrativ der «zu gut verdienender Ärzteschaft» ist immer noch hochaktuell.

Genau deshalb hat der Gesetzgeber Massnahmen verlangt, die Kosten zu dämpfen. Das Resultat: Eine unfassbar mühselige Diskussion zu Taxpunktobergrenzen. Obergrenzen, die von den Tarifpartnern (H+, FMH und prio.swiss) gemeinsam definiert wurden. Das Interessante an der Geschichte ist: Die Ärzteschaft und H+ sind eigentlich gegen eine Obergrenze. Warum sie diese doch unterstützen, ist einfach – es ist ein Vorschlag, um zu verhindern, dass der Bundesrat eine Grenze festlegt. Was täglich auffällt, zeigt sich auch hier: Der Gesundheitspolitik fehlt oft das solide Datenfundament.

Wenn tarifpolitische Realitäten auf wackeligen Annahmen fussen, lohnt sich ein kontrastierender Blick auf die meisterhaft inszenierten Wohlstandsversprechen einer vergangenen Epoche.

Ein sonnengelber Wandapparat vor floralen Kacheln, ein Junge, der verträumt an einer Glace leckt, und eine junge Frau, die im Kostüm keck auf einer Waschmaschine hockt: Die Bilder von Beat Jost (1936–2026) erzählen von einer Epoche, in der die Zukunft glänzte und das Versprechen des Wohlstands in greifbare Nähe rückte.

Als einer der gefragtesten Berner Werbe- und Sachfotografen prägte er die visuelle Kultur der 1960er- bis 1980er-Jahre massgeblich. Für Traditionsmarken wie das Warenhaus Loeb oder Wander-Ovomaltine setzte er die aufblühende Warenwelt mit vollendeter Präzision in Szene. Längst haben sich die sorgfältig komponierten Arrangements von ihrem ursprünglichen Verkaufszweck gelöst.

Aus zeitlicher Distanz entfalten sie einen ganz eigenen Zauber und bleiben als Zeitzeugen einer Ära, in der die Schweiz das Wirtschaftswunder zelebrierte und die Konsumgesellschaft ihre Identität fand. Die Retrospektive richtet den Blick raffiniert über das freigestellte Werbeobjekt hinaus und macht die gesellschaftlichen Sehnsüchte nach Modernität und Komfort visuell greifbar.

Die Ausstellung «Beat Jost – Schöne neue Welt» wird am 3. September 2026 eröffnet und kann bis zum 7. Februar 2027 im Berner Kornhausforum besucht werden.

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