Verschachtelte Tarife, verschwimmende Grenzen…

Falling 01, 2023, dreifarbige Lithografie auf Baumwollpapier, vier Blätter © Shirana Shahbazi, Courtesy of the artist und Galerie Peter Kilchmann, Zürich, Paris

Sonntag – Kulturtag: In den letzten Tagen habe ich die neuen Tarifversionen für den ambulanten und stationären Bereich etwas vertiefter angesehen. Im stationären akutsomatischen Bereich wissen wir, dass es jährlich Änderungen gibt und wir überlegen müssen, wie wir diese an die Kliniken weitergeben. Unser Ziel ist es eigentlich, dass gute Medizin geleistet und dokumentiert wird, ohne dass sich die Behandlung nach dem Tarif richtet. Zum Teil klappt das gut.

Neu gibt es auch im ambulanten Bereich Änderungen, die wir uns anschauen müssen. Die Systematik ist grundsätzlich die gleiche, nur betreffen die Änderungen nicht nur Spitäler, sondern auch alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Das System ist kompliziert und verschachtelt. Diese Undurchdringlichkeit führt mich zum heutigen Kulturtipp, der sich um verschwimmende Grenzen zwischen oben und unten, innen und aussen dreht: Die Ausstellung Shirana Shahbazis: All at Once. An Interplay with Li Tavor im Kunstmuseum Luzern.

Shahbazis künstlerische Herangehensweise ist geprägt von einem experimentellen Umgang mit dem fotografischen Medium. Oft beginnt die Entstehung eines Werkes mit einem einzigen Bild, das sie in einem aufwendigen Prozess weiterentwickelt. Durch den Einsatz verschiedener Drucktechniken wie Siebdruck oder Lithografie übersetzt sie ihre Aufnahmen von Landschaften, Gebäuden, Personen und Objekten in vielschichtige Darstellungen. Besonders charakteristisch ist ihre seit 2023 laufende Serie «Displacements». Hier fotografiert die Künstlerin Modelle architektonischer Fragmente, die sie im Studio bühnenhaft inszeniert. Das Ergebnis sind mehrschichtige Schwarz-Weiss-Abzüge, erweitert durch handaufgetragene, lasierende Farbverläufe. In diesen Arbeiten löst sich die Orientierung auf: Ein wiederkehrendes Motiv in Shahbazis Schaffen, mit dem sie das Verhältnis von Realität und Wirklichkeit auslotet. Diese Erkundung setzt sich auch in ihrer Videoarbeit «An Other Place» (2023) fort, für die sie erstmals mit 16mm-Film experimentierte und eigens für Luzern Ausstellung eine neue Arbeit kreiert hat.

Die Ausstellung selbst präsentiert ein dichtes Geflecht aus Oberflächen, Formaten, Farben und Licht, in dem Shahbazis Œuvre zwar losgelöst von Ort und Zeit wirkt, dennoch fest im Museumsraum verankert bleibt. Das Herzstück der Präsentation bildet ein dialogischer Ansatz: Neben Shahbazis Arbeiten sind auch Werke von Li Tavor und Monir Shahroudy Farmanfarmaian zu sehen. Li Tavor reagiert dabei direkt auf die Ausstellungsarchitektur mit von der Decke hängenden Latexbahnen, die sich je nach Blickwinkel mit Shahbazis Wandarbeiten überlagern. So entsteht ein dreidimensionaler Dialog, den das Publikum räumlich erfahren kann.

Die von Fanni Fetzer kuratierte Ausstellung ist bis zum 18. Oktober 2026 zu besuchen.

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Perspektivwechsel: Von Tarifen und Farben…