Vom starren Tarif zum weiten Horizont…

Ella Maillart, Désert du Tsaïdam, 3000 m. Fin mai, mont Kitin Kara à - ou Noir - froid, dans la chaîne des Kuen Lun, 1935, Qinghai, République de Chine © Succession Ella Maillart et Photo Elysée, Lausanne

Sonntag – Kulturtag: Seit Anfang Jahr gilt das neue kohärente Tarifsystem (TARDOC / ambulante Pauschalen). Damit verbunden sind neue Herausforderungen, neue Prozesse und – leider – oft unnötige Rückfragen, nur weil etwas neu ist. 

Besonders unverständlich sind Rückfragen bei Tarifpositionen, die Diagnostik oder Therapie endlich präzise im System abbilden. Wenn die Kostenübernahme gesetzlich geregelt ist und Spezialisten die Leistung erbringen – wie etwa bei der Elastographie der Leber (VA.30.0070) durch Gastroenterolog*innen –, sollte das System unterstützen, nicht blockieren. 

Ungewohnt ist für viele auch das Antragsverfahren im ambulanten Bereich. Während wir dies aus dem stationären Sektor längst kennen, scheint es für manche Fachgesellschaften noch Neuland zu sein – selbst wenn Anträge pfannenfertig auf dem Silbertablett serviert werden. Es fehlt oft schlicht die Reaktion. 

In solchen Momenten hinterfragt man, für wen oder mit wem man eigentlich unterwegs ist. Dieses Nachdenken über Weggefährten führt mich zu meinem heutigen Kulturtipp: Ella Maillarts fotografische Weltreise im Photo Elysée in Lausanne. 

Ella Maillart war weit mehr als eine Reisende der Zwischenkriegszeit. In einer Ära, in der weite Teile der Weltkarte für den Westen noch weisse Flecken waren, überschritt sie nicht nur geografische, sondern auch gesellschaftliche Grenzen. Als Chronistin hielt sie mit ihrer Kamera die fragilen sozialen Gefüge Zentralasiens fest. 

Ihre Werke sind keine starren Porträts, sondern «fotografische Erzählungen». Sie dokumentieren die harten Realitäten des aufkeimenden Stalinismus ebenso wie die Errichtung von Mandschukuo oder die Spannungen nach dem Ende des chinesischen Kaiserreichs. Dass ihr Nachlass 2025 von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde, unterstreicht die globale Relevanz dieser Zeugnisse. 

Maillart lehrt uns, dass Reisen eine Form des Verstehens ist – eine Suche nach der Essenz menschlicher Kulturen. Ein schöner Gegenpol zum starren Verharren in Tarifstrukturen. 

Die Ausstellung Ella Maillart. Fotografische Erzählungen kann bis zum 1. November 2026 im Photo Elyseé in Lausanne besucht werden.

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Ordnung im Chaos der Prioritäten: Typologien und visuelle Dialoge…

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Ein Plädoyer für innovative Diagnostik und neue Narrative…