Sichtbarkeit und der Duft des Schweigens…

Aus dem Projekt Zagara – Ciò che resta © Tiziana Amico

Sonntag – Kulturtag: Für die Vorbereitung einer neuen Veranstaltungsreihe zu den Tarifen 2027 habe ich eine neue Basis-DRG entdeckt, die endlich die komplexen Aufwände der operativen Endometriose-Therapie abbildet. Wenn ich mich richtig erinnere, hat man bereits vor 10 Jahren einen Antrag auf bessere Abbildbarkeit im Tarif gestellt. 

Dieses Ringen um Sichtbarkeit und strukturelle Hürden führt mich zum heutigen Kulturtipp: Der Geruch der Zagara, der Orangenblüte, gilt in Sizilien als Inbegriff von Reinheit, Liebe und weiblicher Tugend. Doch in der ersten institutionellen Einzelausstellung der Fotografin Tiziana Amico im Photoforum Pasquart entfaltet dieser Duft eine ambivalente, ja bedrohliche Kraft. «Zagara – Ciò che resta» (Was bleibt) ist keine idyllische Hommage an die sizilianische Heimat der Künstlerin, sondern eine forensisch präzise und emotional tiefe Untersuchung geschlechtsspezifischer Gewalt, die sich über Generationen hinweg in Schweigen, Gesten und familiären Archiven eingebrannt hat. 

Ausgehend von einer konkreten Familiengeschichte – ihre Urgrossmutter musste 1939 in Sizilien vor einem versuchten Femizid fliehen – webt Amico ein dichtes Netz aus persönlichen Archivbildern, Landschaftsaufnahmen, Porträts und Recherchematerialien. Sie behandelt das Familienalbum nicht als passiven Speicher von Erinnerungen, sondern als einen umkämpften Ort, an dem Narrative neu verhandelt werden können. Was in den Bildern oft unsichtbar bleibt: Die Gewalt, das Trauma, das erzwungene Schweigen, wird durch die Installation greifbar. Audioarbeiten, Videos und eben der omnipräsente Duft der Orangenblüte immersieren das Publikum in eine «emotionale Landschaft», die zeigt, wie gesellschaftliche Normen Frauen idealisieren und gleichzeitig in unsichtbare Käfige sperren. Die Schönheit der Blüte wird hier zur Metapher für eine Weiblichkeit, die erdrückt, statt zu befreien. 

Die Ausstellung im Photoforum Pasquart in Biel läuft noch bis zum 30. August 2026. 

Und wer tiefer in die praktischen Details der neuen Tarife eintauchen möchte: Das «Tarif-Update: SwissDRG» findet im Dezember statt – Anmeldungen sind ab sofort möglich.

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Zwischen Tarif-Updates und verschwindenden Bildern…